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agiles Mindset

Prozess und Struktur sind nicht genug

Für eine möglichst erfolgreiche Softwareentwicklung ist es notwendig, im Hinblick auf die agilen Methoden die Sicht auf die Entwicklungsteams, sowie die Führung der Entwickler und ihrer Teams und deren inneren Aufbau einer Reformation zu unterziehen, um in allen relevanten Bereichen einen möglichst weitgehenden Kulturwandel herbeizuführen, denn Entwicklungsprozess und Prozessstruktur sind nicht genug, was fehlt, ist eine neue Arbeits- und damit Entwicklungskultur.

Wo in den klassischen Prozessen jedes einzelne Teammitglied für sich und das ganze Team insgesamt von einer zentralen Instanz — z.B. dem Team- oder Projektleiter — nach dem Prinzip „command and control“ geleitet und geführt wird, setzen die agilen Prozesse im Allgemeinen — und unter Scrum im Besonderen — auf eine ausgeprägte agile Teamkultur, bzw. Teamarbeitskultur, die von demokratischen Strukturen, Selbstorganisation jedes Einzelnen und des gesamten Teams, Leistungs- und Verantwortungswillen und -bewusstsein aller und Begegnung auf Augenhöhe geprägt ist.

In einem agil durchgeführten Projekt ist jedes Teammitglied sein eigener Manager, gleichermaßen wichtig für das Projekt und verantwortlich für den erfolgreichen Verlauf des gesamten Vorhabens.

Keine kleinen Rädchen mehr

Das einzelne Teammitglied versteht sich nicht mehr als kleines, unbedeutendes Rädchen im Bauch einer großen Produktionsmaschine, in der es auf die ihm zugewiesene Art und Weise zu agieren und zu funktionieren hat und, wenn zu befürchten ist, dass es das nicht im erwarteten Maße zu leisten im Stande ist und damit vielleicht zu einem Problem werden könnte, stillgelegt, entfernt, erneuert oder ausgetauscht wird. Stattdessen versteht sich das agile Teammitglied vielmehr als wesentlicher und aktiver Teil der Lösung, für deren Realisierung sich das agile Teammitglied zuständig und verantwortlich fühlt und mit Energie, Engagement und Kreativität einsetzt.

Was ist ein agiles Mindset?

Mindset bedeutet Geisteshaltung, Denkweise oder Mentalität.

Ein agiles Mindset ist

  1. die innere Einsicht, dass Veränderung jederzeit und überall allgegenwärtig ist und nicht verhindert, sondern höchstens ignoriert werden kann. Der Grund dafür ist das Design des Raumes in dem wir existieren. Es führt dazu, dass sich, solange sich die Elementarteilchen bewegen und nicht stillstehen, ausnahmslos alles in permanenter Bewegung und gegenseitigem Austausch befindet. Aus diesem Grund ist wirklich alles einem permanent stattfindenden Anpassungs- und Veränderungsprozess unterworfen, dem sich ausnahmslos nichts entziehen kann.
  2. die Erkenntnis, dass nicht kleinteilige Kontrolle und Druck Geist und Leistung beflügeln, sondern dass dies vielmehr durch Entspannung, Freude, Motivation und Freiheit, sowie durch Anerkennung, Wertschätzung, Teilhabe und Begegnung auf Augenhöhe erreichbar ist.

Bewegung, Veränderung, Anpassung und Austausch finden unausweichlich permanent statt und es gibt — bei allem Verständnis für den inneren Widerstand vieler — keine realistische Möglichkeit, sich diesen stetig ablaufenden Vorgängen entziehen zu können. Daher ist die Strategie, diese Tatsache anzuerkennen, anzunehmen, sich darauf einzustellen und für sich zu nutzen, besser, erfolgreicher und effizienter, als sie zu ignorieren zu versuchen und einen permanenten, energieintensiven und damit ermüdenden Widerstand dagegen aufrecht zu erhalten, denn — um es einmal mit den Worten der Vogonen zu sagen — „Widerstand ist zwecklos“.

Das Vorhandensein oder der Erwerb eines agilen Mindsets der Mitglieder der beteiligten Teams und des beteiligten Managements ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche agile Transition eines Teams, eines Projektes, einer Abteilung oder eines Unternehmens, denn erst das agile Mindset ist die Basis für den Umdenkungsprozess, für den Kulturwandel. „Erwerb“ soll hier nicht suggerieren, dass man sich ein agile Mindset kaufen könne; man muss es erfahren, erlernen, erleben und verinnerlichen; der eigentliche Wandlungsprozess muss dann ganz persönlich und individuell im jeweiligen Kopf stattfinden.

Wesentliche Werte
  • Permanente Veränderung und Weiterentwicklung als Prinzip anerkennen und zum Vorteil des Teams und des Projektes als essenzielle Praktik einsetzen.
  • Sich mit den anderen Beteiligten nicht nur auf einen Weg, sondern auf eine gemeinsame Mission begeben.
  • Allen Beteiligten mit Respekt, Wertschätzung, Vertrauen und auf Augenhöhe entgegentreten.
  • Sich vorbehaltlos in den Dienst des Teams und damit in den Dienst einer größeren Einheit, als man selbst ist, stellen.
  • Gemeinsam im Team das jeweils vereinbarte Ziel pragmatisch und konsequent verfolgen, um es erfolgreich zu erreichen.
  • Sich selbst, seinem Team und dem Projekt gegenüber eine positive, aufgeschlossene, vertrauens- und respektvolle Einstellung aufbauen, beibehalten und permanent praktizieren.
  • Für sich selbst, die Kollegen, das Team, das Projekt und das Produkt Leistung erbringen und Verantwortung übernehmen.
  • Logisch, pragmatisch und für andere nachvollziehbar denken und handeln.
  • Fehler nicht verurteilen, sondern als normal, menschlich und unausweichlich, sowie als Quelle von Erkenntnis und Verbesserung anerkennen.
  • Sich Offenheit, Neugier und Wissensdurst bewahren und in Tatendrang umsetzen.
  • Alle relevanten Informationen mit dem Team teilen und sie gemeinsam zum Vorteil des Projektes nutzen.
  • Keine Vorbehalte gegenüber den anderen Teammitgliedern oder anderen Teams haben oder aufbauen.
  • Keine Entscheidungen treffen, die auf Annahmen über Motive Dritter basieren, ohne sich zuvor mit ihnen darüber ausgetauscht zu haben.
  • Anerkennen, dass nicht vereinzelte, persönliche Höchstleistungen Einzelner das Projekt entscheidend voranbringen, sondern eine stabile und hohe Leistung des Teams insgesamt.
  • Verstehen, dass man entweder gemeinsam im Team erfolgreich ist — oder gemeinsam im Team scheitert.
  • Den Kunden als König und Kollegen ansehen und nicht als Quälgeist.
Grau ist alle Theorie …

Das mag so sein, jedoch ist die Welt an sich bunt und vielfältig. Sie verändert und erneuert sich ständig und man tut gut daran, sich der agilen Prinzipien zu bedienen, statt sich ihnen zu widersetzen.

Nicht das ICH entscheidet über Erfolg oder Misserfolg, sondern das WIR.

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