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Was ist Scrumcess?

Scrum ist der Rahmen, Scrumcess der Prozess

Ein Teil dieser Seiten wurde ursprünglich für doktor-scrum.de geschrieben und ziehen nun hierher nach scrumcess.de um; leider sind sie aber inhaltlich noch nicht vollständig auf scrumcess.de umgearbeitet. Zudem ist es durchaus möglich, dass die enthaltenen Links noch ins Leere zeigen, bzw. noch auf doktor-scrum.de verweisen.
Ich bitte Sie, das zu entschuldigen.

Erfolgreich sein mit einem gut implementierten, agilen und nachhaltigen Scrum-Prozess.

Was verbindet / unterscheidet Scrum und Scrumcess?

Scrumcess ist eine agile, aus der Praxis geborene, prozessgewordene Implementation des Rahmenwerks „Scrum“. Scrumcess ist nicht Scrum, sondern basiert auf Scrum. Scrumcess ist letztlich das, was an vielen Stellen tagtäglich praktiziert und in Büchern und anderen Publikationen in dieser oder jener spezifischen Form beschrieben und diskutiert wird: die Ausprägung des allgemein definierten Rahmenwerks Scrum als einsetzbarer Prozess.

Scrumcess ist darüber hinaus jedoch noch mehr, es ist auch noch das Versprechen, dass Scrum — vollständig, nachhaltig und korrekt als Pozess in Form von Scrumcess implementiert — funktioniert.

Warum ist „Scrumcess“ nur ein Versprechen? Warum ist es nicht eine … Garantie?  ^

Scrumcess kann — zumindest aktuell — noch keine Garantie sein, da die Erfüllung dieser Garantie, die letztlich auch nur ein verbindliches Versprechen ist, im Wesentlichen von jenen, denen das Versprechen gegeben wird, gehalten werden muss und damit direkt wiederum von ihnen selbst abhängig ist. Eine Garantie für das Gelingen zu geben, bedingt, einen vertraglich exakt definierten Rahmen zu vereinbaren, dessen Formulierung und Festlegung aktuell noch nicht durchgeführt ist.

Was enthält dieses Versprechen?  ^

Das Versprechen ist die feste Zusage, alles Notwendige und Mögliche zu tun, im Projekt um unter Einsatz eines erfolgreich und vollumfänglich eingeführten — oder einzuführenden — Scrumcess-Prozesses in Form von Scrumcess einen umfassenden Erfolg des Projektes herbeizuführen.

Was ist das Ziel?  ^

Das Ziel ist, Scrum in Form von Scrumcess erfolgreich bei Softwareentwicklungsteams oder -abteilungen zu implementieren und/oder in konkreten Projekten einzusetzen und diese im Sinn des jeweiligen Kunden erfolgreich abzuschließen. Ein weiteres Ziel ist, das Scrumcess-Versprechen langfristig und nachhaltig zu einer verbindlichen Garantie auszubauen.

Was ist der Unterschied zwischen Scrum und Scrumcess?  ^

Scrum ist ein Rahmenwerk, Scrumcess hingegen ist ein Softwareentwicklungsprozess. Scrumcess setzt auf dem Scrum-Rahmenwerk auf und implementiert es. Scrum definiert den Rahmen des Prozesses, Scrumcess ist der Prozess und definiert die Details des Einsatzes. Scrumcess gibt daher die sich an Scrum orientierenden Rahmenbedingungen vor, die erfüllt werden müssen, um ein Projekt erfolgreich unter Einsatz von Scrumcess durchzuführen.

Wenn Scrum also das Rahmenwerk ist, dann ist Scrumcess der Prozess dazu. Es hat

  • einen Anfang mit Eingangsdaten (initiales Product-Backlog),
  • eine Anzahl definierter Schritte in der Mitte (Sprint-Planning, Daily-Scrum, etc.),
  • zu jeder Zeit einen Status (Burndown-Charts) und
  • am Ende definierte Ausgangsdaten (Produktinkrement) als Ergebnis.

Scrumcess ist somit ein interaktiver Prozess, der nicht nur einmal zu Anfang Eingangsdaten entgegennimmt und in der Folge dann auch nicht nur nach einmaliger Verarbeitung einmalig Ausgangsdaten zurückgibt. Scrumcess startet mit oder ohne Eingangsdaten, nimmt dann nahezu permanent zur Laufzeit Daten zur Verarbeitung entgegen (jeweils am Sprintanfang definiertes Sprint-Backlog), die dann im Zeitrahmen der Sprints mit klar definierten Abläufen verarbeitet und zeitnah als Ausgangsdaten (in diesem Falls das Produktinkrement) jeweils am Sprintende den Stakeholdern zur Verfügung gestellt werden.

Der Abschluss des Prozesses wird ebenfalls von außen (durch die Stakeholder oder den Product-Owner) initiiert.

Scrumcess ist Scrum, Scrum ist aber nicht Scrumcess. Betrachtet man Scrum als Rahmenwerk, dann ist Scrumcess die konkrete und strikte Implementation dieses Rahmenwerkes in Form eines Prozesses. Wird hier von Scrum gesprochen, ist somit auch Scrumcess gemeint. Da es sich bei Scrumcess um die konkrete, aus der Praxis entstandene Implementation von Scrum handelt, wird nicht jedes im Umfeld von Scrumcess genannte Detail in der Beschreibung von Scrum oder im Scrum-Guide wiederzufinden sein; umgekehrt sollte das allerdings schon der Fall sein.

Behebt Scrumcess Fehler von „Scrum„?  ^

Nein. Scrum ist ein Rahmenwerk, das man so, wie es beschrieben ist oder modifiziert oder vollständig oder teilweise einsetzt und enthält aus dieser Sicht keine Fehler. Insofern korrigiert Scrumcess auch keine eventuell in Scrum enthaltenen Fehler. Scrumcess konkretisiert lediglich den operativen Einsatz der von Scrum formulierten Prinzipien, also eine mögliche Form der Implementation und Werte im konkreten Projekt.

Nur eine Implementationsvorlage? Keine Implementation?  ^

Scrum ist ein Rahmenwerk, aber kein Projekt. Scrumcess definiert eine konkrete Prozess-Implementation des Rahmenwerks, ist aber ebenfalls kein Projekt. Die eigentliche, konkrete Implementation von Scrum erfolgt in diesem Sinne erst durch die konkrete Implementation von Scrumcess im Kontext des konkret stattfindenden Projektes (das auch ein Implementationsprojekt sein kann) und der jeweiligen Rahmenbedingungen. Daher ist das hier auf diesen Seiten beschriebene Scrumcess lediglich eine Implementationsvorlage, die auf ein Projekt, das mit Scrum umgesetzt werden soll, einzusetzen ist.

Muss man sich an die Implementationsvorlage Scrumcess halten?“?  ^

Scrumcess ist eine Implementationsvorlage des Scrum-Rahmenwerks und in diesem Sinne gilt das Gleiche, was auch für Scrum gilt. Will man mit dem Einsatz von Scrum oder Scrumcess erfolgreich sein, sollte man sich an die Vorgaben der Vorlage halten, denn sonst kann nicht sichergestellt werden, dass der erwünschte Erfolg auch eintreten wird. Hält man sich jedoch nicht an die Vorgaben der Vorlage, kann theoretisch sogar ein Schaden entstehen, da man mit dem Einsatz des Prozesses vielleicht auch fest mit dem Eintreffen der versprochenen positiven Effekte gerechnet hat, die dann nach einem Abweichen oder Verändern des Prozesses nicht mehr eintreffen werden oder können, was bei entsprechenden Voraussetzungen durchaus auch zu einem Schaden zulasten des konkret durchzuführenden oder durchgeführten Projektes führen könnte.

Dann ist Scrumcess ein „scrum-but„?  ^

Nein. Scrum-but („Yes, wie do scrum, but …„) ist etwas, das Scrum nur teilweise oder von Gedanken her abweichend einsetzt. Scrumcess jedoch nimmt die Gedanken von Scrum so strikt wie möglich auf und setzt sie konkret im Prozess um. Scrumcess ist etwas, was viele an Scrum vermissen, Scrumcess eine konkrete, sich dicht an das Scrum-Rahmenwerk haltende, strikte und erweiterte „best practice“ Implementationsvorlage. Scrumcess kann auch keine Implementation von Scrum sein, sondern lediglich eine strikte Implementationsvorlage, da die Implementation vor Ort bei dem jeweiligen im Projekt erfolgt.

Strikte Umsetzung? Wieder so ein Dogma?  ^

Scrum wird auf aktuell knapp 20 Seiten im Scrum-Guide beschrieben. Darüber hinaus gibt es eine erklecklich Anzahl von Fachbüchern, Publikationen und Schulungsangeboten, die sich hauptsächlich mit der Mechanik von Scrum, also das „wer macht was, wann, warum und womit und welches Ergebnis kommt am Ende heraus?“, beschäftigen. Betrachtet man die Bestandteile von Scrum unabhängig davon einmal genauer, erkennt man, dass es implizit drei verschiedene abstrakte, übergeordnete Elemente enthält und dass die Mechanik nur einen, von insgesamt drei Teilen von Scrum darstellt. Die beiden weiteren Elemente — sie werden im nächsten Abschnitt erläutert — haben jedoch einen außerordentlich großen Einfluss auf das Verhalten und den Erfolg von Scrum und die mit Scrum durchgeführten Projekte!

Wie bereits gesagt, wird Scrum im Scrum-Guide als

  • leichtgewichtig,
  • einfach zu verstehen und
  • schwierig zu meistern.

beschrieben.

Gerade die letzte der drei Charakterisierungen ist ein starkes Indiz dafür, dass es da noch etwas weiteres, abseits der tatsächlich leichtgewichtigen und einfach zu verstehenden Mechanik von Scrum geben muss; etwas vielleicht weniger Intuitives, das der ganzen Sache jedoch eine Idee und Leben gibt, eine Seele, Energie. Diese weiteren Elemente gibt es durchaus, sie sind jedoch nicht so offensichtlich und werden in der Beschreibung von Scrum nur implizitzwischen den Zeilen“ genannt und aus diesem Grund in Scrumcess explizit definiert.

„Strikte Umsetzung“ bedeutet an dieser und an allen weiteren Stellen, dass — will man die von Scrum versprochene Leistung auch wirklich erhalten — die Qualität der Implementation von Scrum in einem direkten Zusammenhang mit der Leistung, die der konkret implementierte Scrumprozess dann auch zu erbringen im Stande ist, stehen und dass die Qualität der Implementation daher — sofern man Wert auf eine hohe Leistung des Prozesses legt — nicht verhandelbar oder gar optional ist. Einen hohen Stellenwert haben in diesem Zusammenhang insbesondere die Implementationen der Prinzipien und Werte, die in Scrum lediglich implizit, in Scrumcess jedoch explizit vorausgesetzt werden und die eine wesentliche Grundlage für den erfolgreichen Einsatz von Scrum / Scrumcess sind.

Es geht dabei nicht z.B. um die Einhaltung des Zeitpunkts oder um die Länge des Daily-Scrum oder ob das Planning-Poker mit T-Shirt-Größen oder ganzen Zahlen durchgeführt werden sollte oder so, es geht vielmehr darum, dass die Kraft von Scrum in seiner Verlässlichkeit und in den Potenzialen der Scrum einsetzenden Individuen liegt, deren Maß sich aber auch und insbesondere am Maß der Qualität des Prozesses — und damit an der Qualität der Implementation — ausrichtet. Und noch etwas: Nicht Scrum als implementierter Prozess ist erfolgreich oder versagt, es ist immer das Team, das erfolgreich ist oder scheitert. Scrum ist kein Werkzeugkasten, sondern ein Werkzeug, das vom Team damit auch insgesamt als ein Werkzeug eingesetzt werden muss.

Handelt es sich bei Scrumcess um ein kaufbares Endprodukt?  ^

Nein. Scrum ist ein (recht allgemein gehaltenes) Softwareentwicklungsrahmenwerk und Scrumcess ist, bzw. wird ein Dienstleistungsprodukt in Form einer konkreten, strikten und erweiterten Implementationsvorlage auf Basis von Scrum sein.

Prinzipien und Werte von Scrumcessum  ^

Anhand der Prinzipien und Werte ist zu erkennen, dass Scrum aus einem Netzwerk subtiler und hoch optimierter Bestandteile besteht, die ineinander greifen und insgesamt die Leistung Scrums begründen. Beginnt man damit, in dieses Netzwerk einzugreifen und es zu verändern, ohne Kenntnisse oder Erfahrungen mit diesen Zusammenhängen zu haben, läuft man schnell Gefahr, Lücken in das Netz zu reißen und bezahlt eine vermeintliche Optimierung an der einen Stelle schnell mit einem Verlust an Produktivität oder Qualität an einer anderen Stelle.

Scrum bringt für die viele Unternehmen einige, z.T. grundsätzliche Veränderung mit sich und die verlangen nach einer gewissen Portion von Akzeptanz und Disziplin — häufig ist das der Grund, warum Scrum als „schwierig zu meistern“ gilt.

Das Konzept und die drei abstrakten Elemente  ^

Das Konzept  ^
Das Konzept ist auf einen Satz komprimierbar:

Scrum zielt mit der Gesamtheit aller Prozessbestandteile intensiv darauf ab, dem Projektteam bei konsequenter Umsetzung des Prozesses ideale Produktionsbedingungen zur ermöglichen und alle dem Team innewohnenden Potenziale und Emergenzen zu aktivieren, sie zu vergrößern und auszuweiten und aktiv zum Vorteil des Kunden und seiner Ziele -- in kurzen Intervallen Produkte höchstmöglichen Wertschöpfungspotenzials zu erhalten -- einzusetzen

Das Konzept ist somit, das gesamte Team uneingeschränkt in die Lage zu versetzen, alles Notwendige für das erfolgreiche Erreichen des Projektzieles tun zu können. Scrumcess greift dieses Konzept auf und liefert die Implementierung.

agiles Mindset  ^

Mindset bedeutet Geisteshaltung, Denkweise oder Mentalität und ein agiles Mindset ist

  1. die innere Einsicht, dass Veränderung jederzeit und überall allgegenwärtig ist und nicht verhindert, sondern höchstens ignoriert werden kann, weil das Design des Raumes, in dem wir existieren, darauf basiert, dass sich — solange Atome sich bewegen und nicht stillstehen — ausnahmslos alles in stetiger Bewegung und gegenseitigem Austausch befindet und daher wirklich alles einem permanent stattfindenden Veränderungs- und Anpassungsprozess unterworfen ist, dem sich ausnahmslos niemand entziehen kann,
  2. die Erkenntnis, dass nicht kleinteilige Kontrolle und Druck Geist und Leistung beflügeln, sondern dass dies vielmehr durch Entspannung, Freude, Motivation und Freiheit, sowie durch Anerkennung, Wertschätzung, Teilhabe und Begegnung auf Augenhöhe erreichbar ist.

Energie  ^

Die Kraft von Scrum stellt den beteiligten Individuen Schnittstellen in Form von Prinzipien und Werten zur Verfügung, deren Implementierung sie darin unterstützt, die ihnen innewohnenden, für ihre Aufgabe essenziellen mentalen Energien zu optimieren und zu maximieren und sie dem Prozess und dem Projekt zur Verfügung stellen zu können. Diese Energien sind notwendig, um das Konzept auszufüllen und produktiv nutzen zu können und so stellt die Kraft gleichzeitig auch die Verbindung zwischen dem abstrakten Konzept und dem operativen Teil des Prozesses, der Mechanik, her.

Mechanik  ^

Die Mechanik ist der operative, „sichtbare“ und leicht erlernbare Teil von Scrum, das „wer macht was, wann, warum und womit und welches Ergebnis kommt am Ende heraus?“, also die Rollen, Prozeduren/Besprechungen, Regeln, Abläufe und Artefakte, usw. usf. Der Umfang dieser Mechanik ist gut überschaubar, hat einen sehr kleinen Footprint und verfügt über ein auf Effizienz optimiertes Verhalten. die Mechanik ist der Teil, der zur Routine wird, in den Hintergrund tritt und dort verlässliche seinen Teil zum Erfolg beträgt.

Worin liegt denn dann das Problem?  ^

Die Mechanik ist es nicht, die Mechanik ist das Einfache an Scrum. die Mechanik ist gut überschaubar, Thema vieler Bücher, wie auch dieser Seiten und lässt sich leicht und schnell erlernen. Das Komplexe an Scrum sind die hinter dem agilen Mindset und der Energie steckenden, für den Erfolg von Scrum essenziellen Ideen, Konzepte und Konstruktionen, die sich nicht ohne Weiteres als konkrete Handlungsanweisungen oder kausale Zusammenhänge („Situation A ==> Handlungsanweisung A, Situation B ==> Handlungsanweisung B, Situation C ==> Handlungsanweisung C, etc. ) verpacken lassen, denn Scrum ist, z.B. in Form von Scrumcess, ein Prozess, der den Menschen und seine Potenziale, wie z.B. seine Wünsche, Bedürfnisse und seine Motivationen, aber auch seine mentalen Energien und Fähigkeiten in das Zentrum stellt — und nicht sich selbst.

Das Verhalten von Menschen, insbesondere wenn sie als Gruppe auftreten, ist weitaus komplexer, als es Technik jemals sein kann und trotzdem — oder gerade deshalb — liegt das größte und umfangreichste Optimierungspotenzial in den am Projekt beteiligten Individuen. Die klassischen Prozesse sind darum bemüht, die dem Projektteam zur Verfügung stehenden Kräfte zu kontrollieren, zu reglementieren und zu kanalisieren und begrenzen diese für das Projekt essenziellen Kräfte auf diese Weise. Das Ziel des Prozesses mit Scrum ist jedoch das genaue Gegenteil; das Ziel ist, diese Kräfte für das Projekt vollumfänglich zugänglich und nutzbar zu machen, sie zu optimieren und leistungsverträglich zu maximieren, z.B. durch das Prinzip der Schaffung eines optimalen Produktionsklimas für das Team und mit der Optimierung der Interaktionen zwischen den beteiligten Individuen untereinander und des Prozesses.

Drei Fragen dazu  ^

1. Manche sagen, Scrum sei eine Art Religion?  ^

… weil man nichts an Scrum ändern dürfe, sondern es nur genauso anwenden darf, wie es der „Standard“ vorsehe. Stimmt das, ist Scrum eine „Religion„? Und was ist mit Scrumcess?

Keineswegs, allerdings sollte dem gefühlten Optimierungswunsch nicht schon im Vorwege nachgegeben werden. Da dies immer wieder ein brennendes Thema ist, ist ihm eine eigene Seite gewidmet.

2. Scrum ist ein Prozess?  ^

… und keine wie-auch-immer-Methode, -Rahmen oder -Konzept?

Der Scrum-Guide bezeichnet Scrum als Rahmenwerk und nicht als Prozess. Aus diesem Grund wird Scrum hier ebenfalls als Rahmenwerk angesehen, dass in Form von Scrumcess als interaktiver Prozess implementiert wird. Scrumcess verfügt über ein Konzept, ist aber nicht das Konzept und enthält Methoden, deren Nutzung über den Rahmen innerhalb des Prozesses festgelegt wird.

3. Scrum stellt den Menschen in das Zentrum?  ^

… dann müssen doch auch die Menschen das Verhalten des Prozesses selbst bestimmen können!

Ja, natürlich. Trotz allem ist und bleiben Scrum und auch Scrumcess nur Werkzeuge. Ungefähr so, wie ein Fahrzeug ein Werkzeug zur Fortbewegung ist, in dem man sitzt und das Ziel bestimmt. Das Fahrzeug gibt die Rahmenbedingungen für die Fortbewegung vor, man kann sein Ziel frei bestimmen, muss sich aber an die technischen / rechtlichen / physikalischen Rahmenbedingungen des Fahrzeugs (z.B. die Bedienung, Betriebsstoffe, StVZo, etc.) halten. Tut man das nicht, indem man z.B. nicht tankt oder bei einem Wagen mit Schaltung grundsätzlich die Kupplung meidet (was — unter kundiger Hand — durchaus funktioniert) oder indem man die physikalischen Grenzen des Machbaren / des der Gesundheit Zuträglichen ignoriert, ist die Wahrscheinlichkeit, nicht, oder zumindest nicht vollständig oder nicht pünktlich am Ziel anzukommen, relativ groß. Ähnlich ist es mit Scrum und Scrumcess. Ignoriert man das Konzept oder die Bestandteile oder die Rahmenbedingungen des Konzeptes, bewegt man den Prozess also außerhalb der Grenzen seiner Spezifikation, dann zerreißt es einen vielleicht nicht gleich, aber vielleicht tut das der Auftraggeber, weil er sich unter „Produkte höchstmöglichen Wertschöpfungspotenzials in kurzen Intervallen“ etwas ganz anderes vorgestellt hat.

Trotzdem: ja, es stimmt, Scrum stellt den Menschen in das Zentrum und ja, die Menschen können den Prozess selbst bestimmen. Wenn man sich aber für Scrum, das bereits auf einen sehr schlanken Fuß und hohe Effizienz optimiert wurde und bei dem oft eine unreflektierte, durch Unerfahrenheit (mit Scrum!) getragene weitere Optimierung oftmals zum gegenteiligen Effekt führt, entscheidet, sollte man zunächst mit dem Prozess Freund werden, bevor man ihn verändert, ohne die Hintergründe und damit die Ergebnisse zu kennen.

Sieht man sich dazu nicht in der Lage („der Prozess ist für uns da und nicht wir für ihn„, „wir akzeptieren keine Regeln, wir definieren sie„, „wir brauchen Scrum nicht, Scrum braucht uns„, etc.), sollte man besser einen anderen Weg durch die professionelle Softwareentwicklung einschlagen, denn ein schlecht implementierter Prozess führt zu schlechten Ergebnissen und das beschädigt den Prozess.

Ist Scrum also doch unagil?  ^

Scrum ist also unflexibel und darf nicht verändert oder angepasst werden?
Ist das denn angemessen für einen agilen Prozess?

Nein, nein und nein. Selbstverständlich kann, darf und soll man Scrum im Rahmen seiner Spezifikation personalisieren können. Auch ein Fahrzeug kann und darf man tunen, allerdings darf auch das nur im Rahmen der genannten technischen / rechtlichen / physikalischen Rahmenbedingen stattfinden und sollte — und das ist der eigentliche Kern — nicht geschehen, ohne zuvor live und in Farbe, also selbst und „mit der Hand am Arm“ Erfahrungen gemacht zu haben; dies betreffend eben mit einem intakten und gut funktionierenden Scrumprozess, z.B. in Form von Scrumcess. Woher soll man denn sonst die Risiken und Effekte der Modifikation und das Delta zwischen Vorher und Nachher beurteilen können? Man muss sich vergegenwärtigen, dass eine vermeintliche Optimierung an der einen Stelle zu Insuffizienzen an einer ganz anderen Stellen führen kann, die dann nicht nur den Ertrag der Optimierung zunichtemachen können, sondern zu einer echten Verschlechterung, also zu einer Verschlimmbesserung führen können. Das ist genau wie das Überdrehen einer Schraube, ganz nach der alten Weisheit „nach fest kommt ab“, wobei bei der Schraube der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung noch klar erkennbar ist; bei einem Prozess in der IT ist das zumeist nicht so.

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